Die Prinz-Carl-Anlage ist ein Ort klarer Ordnung. Lange Baukörper, gleichmäßige Fassaden und gefasste Höfe prägen das Bild des ehemaligen Kasernenstandorts. Der Neubau der Kindertagesstätte übernimmt diese Zurückhaltung: horizontal, ruhig, kontrolliert. Gerade deshalb braucht das Ankommen der Kinder einen Gegenpol – einen Punkt, an dem die Strenge des Ortes in Bewegung übergeht. Hoch hinaus setzt genau hier an: auf dem grünen Vorfeld mit Wiese und Blumen, dort, wo Wege sich kreuzen und der Alltag der Kita beginnt.
Kinder kommen von verschiedenen Seiten, bleiben stehen, schauen, laufen weiter. Die Skulptur ist so platziert, dass sie diesen Bewegungen begegnet: gut sichtbar vor dem Eingang, im Zentrum des Vorplatzes, ohne Wege zu blockieren. Sie steht genau dort, wo sich die Wege vom Parkplatz und vom Hof treffen – am Punkt des Ankommens. Sie zwingt niemanden zum Stehenbleiben, aber sie bietet einen Ort dafür – zum Warten, Wiederfinden, Abschiednehmen. Der Vorplatz ist kein Durchgangsraum mehr, sondern erhält durch die Skulptur einen eigenen Charakter. Wer den Eingang durchschreitet, lässt die Skulptur nicht hinter sich. Durch die großen Fenster bleibt sie auch von innen präsent – aus den Gruppenräumen immer wieder im Blickfeld, beim Spielen, beim Essen, beim Aufräumen. So wird Hoch inaus zu einem festen Gegenüber im Tagesablauf.
Vier abstrahierte Kinderfiguren wachsen aus dem Boden. Keine Figur steht für sich. Jede geht aus der anderen hervor, jede stützt und trägt die nächste. Körper greifen ineinander, überlagern sich, verschieben sich. Die Skulptur ist nicht gestapelt, sondern als durchgehende Tragkette aufgebaut. Die Bewegung verläuft nach oben, nicht geradlinig, sondern in leichten Verschiebungen und Drehungen – wie beim gemeinsamen Klettern, wie beim Balancieren in der Gruppe. Kein einzelner Körper könnte diese Höhe erreichen; erst das Ineinandergreifen macht den Aufstieg möglich. Die oberste Figur öffnet sich nach oben, die Arme greifen in den Raum, als würde sie sich im nächsten Moment weiter hinaufziehen. Dieser offene Impuls setzt die Bewegung gedanklich fort.
Kinder erkennen darin Figuren, die sich gegenseitig hochhelfen. Gleichzeitig lässt die Form andere Bilder zu: ein wachsender Körper, verzweigende Äste, etwas, das sich nach oben ausbreitet. Die Skulptur legt keine Lesart fest. Sie bleibt offen für wechselnde Vorstellungen und Gespräche. Für Erwachsene kann sich darin ein Gefüge zeigen, in dem jede Bewegung von der nächsten abhängt.Für Kinder bleibt es ein körperlich erfahrbares Bild von Aufwärtsbewegung und Zusammenspiel.
Mit vier Metern Höhe steht die Skulptur klar im Raum, ohne die Architektur zu überragen. Sie ist aus der Distanz als aufstrebende Form wahrnehmbar und aus der Nähe auf Augenhöhe der Kinder erfahrbar. Die Verschiebungen, Überlagerungen und Zwischenräume liegen genau in dem Bereich, in dem Kinder den Außenraum erleben. Die vier Figuren – entsprechend den vier Kitagruppen – sind in unterschiedlichen Farbtönen gefasst.
Die matte Farbigkeit in Grün, Rot, Gelb und Blau setzt einen lebendigen Akzent vor der ruhigen Fassade und dem Grün der Wiese. Jede Figur bleibt als einzelne erkennbar, gleichzeitig verbinden sich die Farben aus der Entfernung zu einer gemeinsamen, aufgerichteten Form. Kinder können sich „ihrer“ Figur zuordnen, sie wiederfinden, sich an ihr orientieren.
Beim Umschreiten verändern sich die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Mal tritt eine Figur stärker hervor, mal überlagert sie eine andere; Zwischenräume öffnen und schließen sich. Die Skulptur hat keine Schauseite – sie ist für Bewegung gemacht.
So erhält der Vorplatz eine klare räumliche Mitte. Die freie, asymmetrische Form steht der strengen Ordnung der Fassade gegenüber und macht den Außenraum als Aufenthaltsort lesbar. Hoch hinaus wird zum selbstverständlichen Bezugspunkt im Alltag – „bei der bunten Figur“.
Die klare Struktur der Prinz-Carl-Anlage bleibt sichtbar, erhält jedoch eine neue Ergänzung. Die Skulptur fügt der horizontalen Ordnung eine aufgerichtete, verbundene Bewegung hinzu. Nicht als Bruch, sondern als Weiterführung unter anderen Vorzeichen. Wo früher Disziplin und Unterordnung galten, steht heute das gemeinsame Wachsen im Mittelpunkt.
Hoch hinaus ist Teil des täglichen Weges – sichtbar beim Kommen, präsent beim Gehen. Die Skulptur steht dort, wo Kinder ankommen, und bleibt, während sie weitergehen. Sie markiert einen Übergang, ohne ihn festzulegen – und bleibt offen für das, was Kinder in ihr sehen. Als feste, wiederkehrende Präsenz verankert sie den Eingang im Alltag und gibt dem Ort ein Gesicht.
2026
1. Preis, Wettbewerb
Die Fertigstellung ist für Sommer 2026 vorgesehen